Wangen

Für Wangen wurde leider noch kein Gedenkstein erstellt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich an der Realisation beteiligen könnten und unser Projekt somit bald vollständig umgesetzt wäre. Nähere Informationen dazu finden Sie beim Menüpunkt „Gedenksteinprojekt “.

Geschichtsabriss:

Anfang des 17.Jahrhunderts siedelten sich einige wenige jüdische Familien im reichsritterschaftlichen Dorfe Wangen an. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zogen Juden aus dem Elsass, Schwaben und Vorarlberg hierher.. Als Wohnareal wurde den Juden ursprünglich ein Bereich nahe des Untersees zugewiesen. Der Mitte des 18.Jahrhunderts aus Hohenems nach Wangen zugewanderte Mandes Wolf stieg in der Folgezeit zum größten Grundbesitzer im Dorf auf. Ihre erstmals 1759 erwähnte hölzerne Synagoge wurde in den 1820er Jahren durch einen größeren, unmittelbar am See gelegenen Neubau ersetzt. Eine Mikwe lag am Dorfbach. Seit den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts wurde im Dorf auch eine jüdische Schule betrieben; um 1920 wurde die Volksschule wegen Schülermangels endgültig geschlossen. Zunächst wurden die verstorbenen Wangener Juden auf dem jüdischen Friedhof in Gailingen begraben. 1827 konnte eine eigene Begräbnisstätte in Wangen „Am Hardtbühl“ - weit außerhalb des Dorfes am Weg nach Radolfzell - genutzt werden. Die Gemeinde unterstand bis 1925 dem Bezirksrabbinat Gailingen, danach dem neugebildeten Bezirk Konstanz. Die in Wangen lebenden jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt, besonders mit Vieh. Neben zwei Gastwirtschaften war auch eine jüdische Jugendherberge vorhanden. 

In der NS-Zeit : 1933-1945

Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch etwa 20 Juden in Wangen, die im Textil- und Viehhandel tätig waren. Am 10.November 1938 wurde die Wangener Synagoge durch SS-Angehörige aus Radolfzell in Brand gesteckt und zerstört. Auch der Friedhof zeigte deutliche Spuren von Verwüstungen. Die drei noch in Wangen lebenden jüdischen Männer wurden von SS-Angehörigen schwer misshandelt und anschließend ins KZ Dachau abtransportiert. Bis Kriegsbeginn hatten fast alle Juden das Dorf verlassen. Sieben jüdische Bewohner Wangens wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Von den 1933 in Wangen wohnhaften 20 jüdischen Personen kamen mindestens sechs gewaltsam ums Leben. Nach Kriegsende kehrten drei verschleppte Juden nach Wangen zurück. Mit Nathan Wolf und seiner Schwester Selma verstarben Anfang der 1970er-Jahre die letzten ansässigen Juden in Wangen.

Gedenken

Seit 1968 erinnert ein Gedenkstein an die zerstörte Synagoge. Das wiedererstellte, aus zwei Steinsäulen und einem schmiedeeisernen Gitter gestaltete Tor zur Wangener Synagoge am Seeweg erinnert seit 2010 an den ehemaligen Standort des jüdischen Bethauses.

Literatur

Baumann, Ulrich: Zerstörte Nachbarschaften. Christen und Juden in badischen Landgemeinden 1862 - 1940, in: Studien zur jüdischen Geschichte Band 7, Hamburg 2001

Bosch, Manfred (Hrg.): Jacob Picard, Erinnerung eigenen Lebens, in: Alemannisches Judentum. Spuren einer verlorenen Kultur, Eggingen 2001

Bosch, Manfred / Großpietsch, Jost: Jakob Picard 1883 - 1967. Dichter des deutschen Landjudentums, Ausstellungskatalog Sulzburg, 1992

Bosch, Manfred: Bohème am Bodensee. Literarisches Leben am See von 1900 bis 1950, Lengwil am Bodensee 1997

Chone, Heymann: Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Synagoge in Wangen, Wangen 1927 Chronik von Oehningen, Hrg. Gemeinde Öhningen (Landkreis Konstanz), 1988, S. 69 ff.

Döpp, B. / Preuß, M. (Bearb.), Der jüdische Friedhof in Öhningen-Wangen, Unveröffentlichte Grunddokumentation des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, 1994

Fidler, Helmut: Im Schatten der Synagoge. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Wangen-Öhningen, in: suedkurier.de vom 13.09.2007

Fidler, Helmut: Jüdisches Leben am Bodensee, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2011

Hahn, J. / Krüger, J.: “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Stuttgart 2007, S. 365 - 367

Hahn, Joachim: Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988, S. 309/310

Hundsnurscher, F. / Taddey, G.: Die jüdischen Gemeinden in Baden - Denkmale, Geschichte, Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1968, S. 284 – 287

„Jüdische Kultur im Hegau und am See“, in: HEGAU – Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Jahrbuch 64/2007, S. 63 – 68, S. 73 – 102 und S. 239 – 310

Kustermann, A.P. / Bauer, D. R. (Hrg.): Jüdisches Leben im Bodenseeraum. Zur Geschichte des alemannischen Judentums ..., Ostfildern 1994, S. 48 f.

Picard, Jakob: Erinnerung eigenen Lebens, in: M. Bosch (Hrg.), Alemannisches Judentum - Spuren einer verlorenen Kultur, Eggingen 2001, S. 171 – 192

Sauer, Paul: Die Judengemeinden im nördlichen Bodenseeraum, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 128.Band/1980, S. 327 ff.

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